Grüner Samstag

2010
02.08

Am Wochenende war ich mal wieder mitten drin im Grünen Geschehen, und zwar als offizielle Bloggerin der LDK (Landes-Delegierten-Konferenz) in Essen. Ziel der LDK war, das Landtagswahlprogramm gemeinsam zu diskutieren und zu verabschieden. Und obwohl die Grünen eine sehr diskussionsfreudige, basisdemokratische Partei sind (so sehr, dass es manchmal ganz doll nervt), ist uns das auch äußerst schnell gelungen. So schnell, dass der zweite Tag der LDK (Sonntag) mal eben abgesagt werden konnte. Oh, wie schade! ;)

Auf jeden Fall gab es da viele interessante Leute und weil ich ja berichten musste, hab ich immer gut zugehört und bin jetzt total im Bilde. Ich weiß, das hab ich bei Europa-, Bundes- und Kommunalwahl auch gesagt, aber jetzt sage ich es wieder und meine das auch ganz genau so: Bei der Landtagswahl ist es am besten, die Grünen zu wählen, selbst wenn da eventuell schwarz-grün bei rauskommt. Dafür, dass diese Option nicht kategorisch ausgeschlossen wurde, hat es schon viel Schelte in den Medien gegeben.

Natürlich möchten wir lieber rot-grün, aber ist schwarz-grün nicht besser als schwarz-gelb? Ich persönlich bin da eher pragmatisch. Und gerade auf Landesebene mit den beiden dicken Themen Energie und Bildung muss sich ganz ganz dringend was ändern. Klimaschutzgesetze mal eben umschreiben, damit noch ein Riesen-Kohlekraftwerk gebaut werden kann? No go!

Und zum Glück hatte ich einen Top-Fotografen dabei, damit ich mich ganz auf’s Schreiben konzentrieren konnte ;)


Sylvia Löhrmann, unsere Spitzenkandidatin für den Landtag


Arndt Klocke, Landesvorstand und Mister LDK ;)


Claudia war auch da. Mag den Rüttgers auch nicht.


Ich, schwer beschäftigt


Keine Kohle mehr für Kohle


Love Earth. Love People. Love Future.

Alles neu macht der Februar

2010
02.08

Beziehungsweise die Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe. In den letzten Wochen musste ich mir eingestehen, dass der Blog hier nicht mehr funktioniert. Ich habe natürlich echt wenig Zeit, aber vor allem hatte ich auch echt wenig Lust in letzter Zeit hier etwas zu schreiben. Ich will immer noch die Welt retten, aber mir gehen langsam die Themen aus. Ich hab’ das Gefühl, zu den meisten Dingen schon etwas gesagt zu haben und tagesaktuelle News möchte ich auch nicht dauernd kommentieren, denn diesem Anspruch würde ich nicht gerecht werden. Deswegen gibt es jetzt hier wieder mehr Themenvielfalt. Und wenn das auch nicht klappt, bin ich ratlos ;)

Trübe Aussichten

2010
02.08

Winter gehört zum Jahresverlauf dazu, Schnee ist schön anzuschauen und wenn man warm angezogen ist, ist Kälte auch mal toll. Aber jetzt will ich nicht mehr! Alles ist nur trüb, grau und dunkel und ich hab schon viel zu oft die gleichen, warmen Sachen angehabt.

Ich will Sonnenstrahlen in meinem Gesicht, ich will hellgrüne Blätter sprießen sehen, ich will das Fenster aufmachen und Frühlingsluft atmen, statt zu bibbern! Wo muss ich mich melden? ;)

Und ich dachte, ich hätte alles schon gesehen

2010
02.07

Ja, von wegen! Gestern Abend war ich echt platt! Wir kamen vom Landes-Parteitag der Grünen, vielleicht auch dementsprechend mit Motivation und Idealen aufgeladen, als wir in Essen Hbf zum Bahnsteig gingen, um nach Hause zu fahren. Da stand eine Gruppe schwarze Mädels, schätzungsweise zwischen 16 und 19 Jahre alt. Drinnen im Zug saßen schon ein paar Freundinnen und eine wabernde Wolke aus süß-klebrigem “Duft” hing im Abteil.

Alle kreischten durcheinander (es waren ca. 15 Mädchen) stöckelten im Zug herum und hingen über den Lehnen, um sich zu unterhalten. Fast alle waren dabei, sich zu schminken, obwohl in diesen Gesichtern doch schon alles an Farbe vorhanden war, was die Palette so hergibt. All das war schon irgendwie komisch und total übertrieben. Aber wirklich unfassbar waren die Klamotten. Ausnahmslos alle hatten mindestens 10cm hohe Absätze, viele sogar offene Schuhe (hallo? 2°!) und die Klamotten bestanden ganz ohne Übertreibung aus der üblichen Arbeitskleidung eines gewissen Gewerbes. Ich meine, klar sehen viele Mädels heutzutage so aus, hab ich auch schon 1000x gesehen, aber das war einfach ‘ne ganz andere Liga. Überall ‘rausquellende Brüste und Pobacken und Schenkel!

Ich war völlig verstört, eigentlich bin ich es jetzt noch. Ich mache mir Sorgen, was wohl mit Mädchen passiert, die samstags nachts so durch die Gegend laufen. Ob deren Eltern das wissen. Und vor allem, ob das irgendwo schon als “normal” gilt und ich mittlerweile einfach nur noch eine alte, langweilige Spießerin bin…?

Was ich nicht weiß…

2010
01.11

… macht andere trotzdem unglücklich. Oder krank. Oder sogar tot.

Wir haben in unserem alltäglichen Leben ein großes Distanzproblem. Der Strom kommt aus der Steckdose, das Essen aus dem Supermarkt, die Klamotten von H&M und die CDs und Bücher aus dem Internet. Alles ist so schön günstig und wenn nicht hier, dann bestimmt woanders.

STOP!

Man muss sich nur mal vorstellen, die Distanz zur Herkunft unserer alltäglichen Dinge wäre plötzlich verschwunden.

Für ein Duplo oder eine Packung ChocoCrossies würden wir doch nie ein 9-jähriges  Nachbars-Kind einen Baum hochjagen und danach 10kg-Säcke schleppen lassen. Nein? Aber woanders lassen wir es zu.

Für einen leckeren Burger würden wir doch nie in unserem Hinterhof ein niedliches, kleines Kalb gewaltsam der Mutter entreißen, dann in der eigenen Scheiße stehend im Halbdunkeln mit viel zu wenig Platz mit Hightech-Futter maschinell vollstopfen, ihm verschiedene unnütze Körperteile abschneiden, um es dann irgendwann eingepfercht und verängstigt zum Schlachter zu bringen, wo es dann ebenso maschinell getötet und verarbeitet wird. Nein? Aber woanders lassen wir es zu.

Für den Strom, der aus der Steckdose kommt, damit wir unsere tollen Geräte aufladen und benutzen können, würden wir nie wollen, dass unsere Kinder und die unserer besten Freunde Atembeschwerden und Leukämie bekommen oder unseren Verwandten die komplette Ernte verdirbt, wenn wir doch wissen, dass sie davon leben müssen und ihnen dann beim verhungern zuschauen. Nein? Aber woanders lassen wir es zu.

Für das coole neue T-Shirt, das ja nur 10 EUR kostet (selbst wenn es 100 EUR kostet, muss das noch nix heißen), würden wir doch nie verlangen, dass unsere Eltern 16 Stunden am Tag für einen Hungerlohn in vollen, heißen Fabriken sitzen, dort ungeschützt mit giftigen Chemikalien hantieren und keinerlei Rechte haben.  Nein? Aber woanders lassen wir es zu.

Wir würden unsere Kinder nie das Wasser trinken lassen oder sie im Wasser baden, das wir im Bad den Abfluss runterrauschen lassen oder das die Chemiefabriken in die Flüsse leiten, damit alle tollen Produkte hergestellt werden können? Nein?  Aber woanders lassen wir es zu.

Klar haben wir immer die Entscheidung, was wir wann wo kaufen und es gibt auch Menschen, die leben komplett, ohne solche Dinge zu fördern, aber es ist auch so verdammt schwierig. Die Firmen lügen auf Verpackungen, in Anzeigen und Werbespots unverschämt das Blaue vom Himmel herunter. Jede Menge Entscheidungen treffen wir völlig unbewusst, weil uns jahrelang oder gar jahrzehntelang gewisse Dinge eingetrichtert wurden, so dass wir nicht mal auf die Idee kommen, sie mal in Frage zu stellen. Die Zusammenhänge der globalisierten Welt werden ja bewusst verschleiert. Und die Firmen schaufeln sich die Taschen voll. Klingt platt, ist aber so.

Wenn ich z.B. für eine Kanne Kaffee, 20 afrikanischen Familien das Trinkwasser wegnehmen müsste, 10 Bäume verbrennen, 20 Fische töten, 2 Arbeiter verprügeln und einem Kind verbieten müsste, in die Schule zu gehen, würde er mir gründlich im Hals stecken bleiben! Muss ich aber nicht.

Aber nachdenken kann ich. Wenigstens hier und da. Schonmal mit irgendwas anfangen. Ökostrom bestellen. Auch mal Bio ausprobieren. Nicht mehr zu McDonalds oder Burger King gehen. Mal wieder mit der Bahn fahren. Einfach mal testen und gucken, wie es sich anfühlt. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm. Und ohne dass es bei mir schlechter wird, wird es woanders vielleicht ein kleines bisschen besser. Und es verdient vor allem kein scheinheiliger Konzern mehr Geld mit meiner Unwissenheit und Untätigkeit.